Exklusive Review: Die Open-Beta von Firefall

8 Overall Score
Grafiken: 7/10
Gameplay: 9/10
Sound: 7/10

wunderschöne, offene Welt | rasantes, spaßiges Gameplay | viele Freiheiten für die Spieler | unterhaltsames, süchtigmachendes PvP

immer noch einige Bugs | keine vorgegebene Richtung | könnte sich nach einer Weile repetitiv anfühlen

Das von Red 5 Studios entwickelte Firefall ist ein interessanter Projekt, das nach einer ziemlich langen Closed-Beta vor kurzem die offene Beta-Testphas erreicht hat. Das Spiel versucht, die rasante Action von TPS- und FPS-Spielen mit einer permanenten MMORPG-artigen offenen Welt und einem umfassenden PvP-System, das als eSport mit regelmäßigen Turnieren und Bargeldpreisen herasugebracht werden soll. Außerdem haben die Entwickler angekündigt, dass es keine Charakter-Wipes mehr geben wird, sodass ihr sofort ins Spiel starten könnt, ohne Angst haben zu müssen, dass der geliebte Charakter noch einmal verloren geht. Klingt ziemlich gut, oder? Dann folgt uns und lasst uns gemeinsam herausfinden, ob das Spiel eure Zeit wert ist.

ERSTE SCHRITTE

Wie in vielen MMO-Spielen, muss man auch in Firefall zuerst einen Charakter erstellen. Leider stellt man dabei sehr schnell fest, dass man für die Entwicklung dieses Aspekt etwas mehr Zeit hätte aufwenden können. Im Vergleich zu den Charaktererstellungsssystemen anderer moderner Spiele, fühlt sich Firefall ziemlich fade und alt an, da es nur ein paar vorgegebene Gesichter, Frisuren und Augenfarben bietet. Es gibt auch einige Accessoires wie Brillen, Masken, usw., allerdings sind nur wenige davon gratis, der Rest muss mit der Premium-Währung gekauft werden.

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Einmal im Spiel kann man die Erscheinung seines Charakters mit einigen Terminals, die genau wie das Erstellungswerkzeug funktionieren weiter verändern. Hier sind weitere Premium-Optionen und freie Basismöglichkeiten erhältlich. Sicherlich könnte das Charaktererstellungssystem besser sein, aber erinnern wir uns daran, dass Firefall in erster Linie ein Shooter ist. Meist wird man zu beschäftigt damit sein, seine Feinde mit Kugeln zu durchlöchern, um das hübsche Gesicht seines Avatars zu bewundern, sodass man die eingeschränkte Charakteranpassung vielleicht verzeihen kann, oder?

Nach der Charaktererstellung beginnt das Spiel und eine kurze Tutorialsesseion nimmt einen in Empfang. Hier bekommt man die grundlegende Steuerung für die Bewegung, das Schießen und Fliegen erklärt (ja, das Spiel bietet Jetpacks! Cool!) und erhält eine Einführung in das Hauptmerkmal Firefalls: die Battleframes.

BATTLEFRAMES

Im Grunde ist der Charakter in Firefall nicht an eine bestimmte Klasse gebunden; die Rolle, die man ausfüllen möchte, wird lediglich dadurch bestimmt, mit welchem Battleframe man momentan ausgerüstet ist. Battleframes sind fortschrittliche Hitech-Exoskelette, die mit verschiedenen Waffen und Zusatzgeräten ausgestattet werden können und so den Zugriff auf unterschiedliche Fähigkeiten und Waffen ermöglichen.

Es ist wichtig festzuhalten, dass die Battleframes jederzeit gewechselt werden können, indem man eine Battleframe-Station betritt, die sich für gewöhnlich in Städten und Außenposten befinden. Jeder Battleframe muss eigenständig durch eine andere Einrichtung, die Battleframe-Werkstadt, verbessert werden. Dazu benötigt man EP und Kristalle, die man für das Töten von Feinden und die Teilnahme an Aktivitäten wie dynamischen Missionen und Events erhält. Während es sich bei Kristallen um Items handelt, die im Inventar aufbewahrt und vielfältig eingesetzt werden können, sind die Erfahrungspunkte an den entsprechenden Battleframe gebunden, mit dem man sie erworben hat. Man kann also beispielsweise nicht EP mit dem Recon-Battleframe verdienen und sie für die Verbesserung des Assault-Battleframe nutzen.

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Momentan gibt es 5 verschiedene Battleframe-Arten: Assault, Recon, Dreadnaught, Biotech und Engineer. Jeden gibt es in 3 Varianten: Die Standardvariante ist frei und von Anfang an erhältlich, während die beiden anderen entweder beim Spielen oder durch den Einsatz von Premium-Währeng freigeschaltet werden. Jeder Battleframe besitzt seine ganz eigene Fähigkeitsauswahl und seinen eigenen Spielstil. Seinen Battleframe kann man auch mit Bemalungen, Mustern und Aufklebern anpassen, aber auch hier kann man nur aus einer sehr begrenzten Auswahl wählen, wenn man kein echtes Geld einsetzen möchte.

Wir fanden dieses originelle Progressionssystem sehr interessant und faszinierend, da man keine alternative Charaktere erstellen muss, um verschiedene Rolln, Waffen und Spielstile auszuprobieren. Man kann sich wirklich mit seinem Charakter verbunden fühlen, der alles sein kann, einfach indem man jederzeit zum gewünschten Battleframe wechselt.

WO SIND MEINE QUESTS?

Hat man sich einmal entschieden, welchen Battleframe man zuerst nutzen möchte, ist es an der Zeit, in der Welt New Eden - eine futuristische Erde, die gegen die Invasion der Auserwählten (eine Alien-Rasse) kämpft - auf Abenteuerreise zu gehen. Als leidenschaftlicher MMORPG-Spieler stellt man als erstes fest, dass es keine leuchtenden Ausrufezeichen über den Köpfen von NPCs gibt, sodass man sich schließlich fragt: "Und nun? Was kann ich tun? Wo soll ich hin?" Die Antwort ist einfach: Außer ein paar geführten grundlegenden Tutorialquests, deren einziges Ziel darin besteht zu zeigen, wie Ressourcen gesammelt und Battleframes verändert und verbessert werden, gibt es in Firefall keine Quests, zumindest keine normalen, wie man sie bisher gewöhnt war.

Firefall wartet mit einer offenen Sandbox-Welt auf, die frei von der üblichen Questschiene ist, die einen bei der Hand nimmt und durchs Spiel führt. Man muss die Welt erkunden, neue Zonen entdecken, auf der Karte nach stattfindenden dynamischen Events Ausschau halten und sich entscheiden, daran teilzunehmen oder es nicht zu tun. Es gibt verschiedene Eventarten, beispielsweise Invasionen der Auserwählten, ARES-Missionen, Datenwiederherstellung, Schutz von Ressourcenkollektoren, etc. Sie sind für alle offen und belohnen einen mit EP, Tokens (die zum Kauf von Ausrüstung genutzt werden können) und Ressourcen.

Um die in einer Zone stattfindenden Events einzusehen, muss man zuerst zum SIN-Turm, um sich mit ihm zu synchronisieren, um die Zone freizuschalten. Diese SIN-Türme sind oft von Siedlungen oder einer Stadt umgeben, die bei dynamischen Events von den Auserwählten eingenommen werden können. Dann müssen die Spieler kämpfen, um sie zu schützen oder zurück zu gewinnen.

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Außerdem besitzen Städte wie Copacabana (die Startstadt) Machtlevels, die durch die Spieler erhöht werden können, indem sie Crystite-Resonatoren in ein Receptacle genanntes Gerät tun. Jeder Spieler kann einen Beitrag leisten, um die Stadt zu verbessern und neue Verkäufer, neue Materialen und Boni für alle freizuschalten.

Diese freiere, spielergesteuerte Herangehensweise ist reich an Möglichkeiten, absolut interessant und anders. Jedoch könnte ein neuer oder Gelegenheitsspieler, der noch nicht viel in Foren oder Wikis über das Spiel gelesen hat leicht verwirrt sein ob der nicht vorgegebenen Richtung, denn es gibt kaum eine Erklärung oder einen Guide für all diese Features. So könnte man schnell die falsche Schlussfolgerung ziehen, dass es "in diesem Spiel fast nichts zu tun gibt", obwohl das Spiel tatsächlich wirklich nette dinge zu bieten hat.

SAMMELN UND HERSTELLEN

Ein weiter wichtiger und umfassender Aspekt ist das Sammel- und Herstellungssystem, was eine Hauptrolle im gesamten Firefall-Erlebnis spielt. Grundsätzlich ist beinahe jeder Gegenstand, jede Rüstung, jede Battleframe-Verbesserung und jedes Fahrzeug herstellbar. Selbst wenn man die Grundausrüstung kaufen kann, ist die Selbstherstellung nach einer Weile die beste Möglichkeit, um zu neuen Items und Ausrüstung zu gelangen.

Dazu muss man mit Hilfe eines Spezialhammers, der den Boden nach Ressourcen scannt, die nötigen Ressourcen finden und sie mit einem Thumper, der herbeigerufen werden kann, extrahieren. Dieser Prozess dauert allerdings eine Weile und der Thumper muss vor Monstern verteidigt werden, die er anzieht und die versuchen, ihn zu zerstören. Der Thumper kann zu jeder Zeit entlassen werden, je länger er jedoch bleibt, desto mehr Ressourcen sammelt er, bis die Maximalkapazität erreicht ist. Jeder Spieler kann helfen, den Thumper eines anderen Spieler zu verteidigen, und bekommt dafür ebenfalls EP und Ressourcen.

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Verschiedene Gegenden weisen unterschiedliche Ressourcenvorkommen auf, sodass der Spieler sorgfältig entscheiden muss, wo er gräbt, um die speziellen, benötigen Ressourcen zu erhalten. Dies ist eine der Hauptaktivitäten im Spiel und für uns eine interessante Variation der klassischen Sammelsysteme, die viele andere MMORPGs bieten. Vielleicht wird es mit der Zeit etwas repetitiv und anstrengend, aber unserer Meinung nach hat diese nette Innovation zumindet einen "Daumen hoch" dafür verdient, den Dingen etwas mehr Würze zu verleihen.

GAMEPLAY

Das Steuerungssystem ist in Grunde das klassische von TPS-/ FPS-Spielen mit WASD + Maus, wobei der Rechtsklick je nach Waffe ein Zweitfeuer oder eine Eisensicht/ Zoom betätigt und die Leertaste zum Springen und Fliegen mit dem Jet-Pack gnutzt wird. Ziemlich direkt, mit guter Reaktion und effektiv.

Einmal freigeschaltet, hat man auch Zugriff auf die Zweitwaffe und die 4 Fähigkeiten des Battleframes, die wie bei einem klassischen MMORPG auf den Zahlentasten liegen. Außerdem haben wir es sehr geschätzt, zwischen der Ego- und Thord-Person-Perspektive wechseln zu können, indem das Mausrad betätigt wird. Dies kann sicherlich sowohl FPS- als auch TPS-Fans glücklich machen und lässt einen die Lieblingsblickwinkel wählen.

Während unserer PvE-Abenteuer haben wir mehrere Arten von Welt-Events ausprobiert. Sie sind meist unterhaltsam und die Mobs - angefangen bei kleinen insektenartigen Monstern, die vom Thumper angelockt werden, bis zu den Horden von Auserwählten, die eine Stadt angreifen - unter scheiden sich sowohl in Aussehen als auch ihrer Schwierigkeit. Das Spiel ist extrem rasant und fühlt und spielt sich sehr wie ein guter Ego-Shooter der alte Schule an, beispielsweise wie Quake oder Unreal Tournament, was uns zum PvP-Aspekt des Spiels führt.

Die PvP-Warteschlange kann über einen Terminal in den großen Städten oder das persönliche Menü erreicht werden, indem man einen oder mehrere Modi auswählt, für die man sich einreihen möchte. Es gibt die klassischen Ego-Shooter-Modi wie Team-Deathmatch, Harvester (ein Modus im Capture- & Hold-Stil) und Sabotage (Capture-Punkt-Modus) sowie einem ziemlich neuen, der Jetball heißt. Dies ist eine futuristische Sportart, die Red 5 scheinbar zu den Haupt-eSport-Features des Spiel machen möchte.

Wir haben ein paar Team-Deathmatch- und Sabotage-Matches gespielt und müssen zugeben, dass wir absolut beeindruckt waren. Wenn das PvE bereits rasant und spaßig ist, dann ist das PvP wild und sehr süchtig machend. Dank der extrem guten, präzisen Steuerung des Spiels, hatten wir viel Spaß beim Töten und getötet Werdem durch andere Spieler, Wir versuchten, einen coolen Kopfschuss zu landen, während wir mit unserem Jet-Pack flogen, oder unsere Gegner auszumanövrieren, indem wir die Fähigkeiten unseres Battleframes klug einsetzten. Beispielsweise kann man die Ablenkungs- und Unsichrbarkeitsfunktion des Recon nutzen, um seine Feinde auszutricksen, sie aus dem Hinterhalt anzugreifen oder sich zurück zu ziehen. Hingewiesen sei auch darauf, dass im PvP alle Battleframe-Fähigkeiten vorübergehend freigeschaltet sind, um auch gegen Veteranenspieler ein faires Match spielen zu können. Gute Arbeit, Red 5!

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GRAFIKEN

Das Spiel weist einen ziemlich einmaligen, leicht cartoonartigen visuellen Stil auf. Das Ergebnis ist absolut nicht schlecht und schafft etwas Originelles und Angenehmes, ohne zu große Ansprüche an die Hardware zu stellen. Was Modelle und Textur der Charaktere anbelangt, sind diese wenig eindrucksvoll und könnten etwas mehr Liebe zum Detail gebrauchen. Gleichzeitig sind die Battleframes sehr interessant, sowohl im Design als auch im Redering.

Der eigenliche Star ist unserer Meinung nach allerdings die Spielwelt selbst. New Eden ist absolut klasse und beeindruckend. Die offene Welt lässt einem vor Staunen den Mund offen stehen, wenn man einen leicht erhöhten Punkt erklimmt und um sich blickt. Meilen über Meilen beeindruckend gestalteter Dschungels, Felsen, Wasserfälle und Berge mit verstreuten Gebüden und Einrichtungen hier und dort. Und man kann frei überall dorthin gehen, was man erblicken kann, ohne einen einzigen Ladebildschirm.

Die Tatsache, einen Jet-Pack zur Verfügung zu haben, ist ebenfalls beeindruckend, denn es entsteht eine ganz neue vertikale Dimension, die normalerweise in der Mehrheit der MMO-Spiele fehlt oder wenig entwickelt ist. Auch wenn so viel Bewegungsfreiheit toll ist, ist das Spiel in dieser Hinsicht etwas leer. Wir haben versucht, die Welt hier und da zu erkunden, haben aber nichts interessantes gefunden, außer dem Abenteuer- und Entdeckergefühl selbst. Eine Schande, wenn man bedenkt, dass die Entwickler diese Freiheit mit minimalem Aufwand großartig nutzen könnten, indem sie versteckte sammelbare Dinge, Schätze oder Bosse hinzufügen würden, um die Spieler für die Erkundung der Geheimnisse dieser wunderschönen Welt zu belohnen.

SCHLUSSFOLGERUNG

Firefall ist ein beeidruckendes FPS-/ TPS-MMO mit einer offenen Welt, das den Spielern viel Freiheit lässt. Das rasante, absolut spaßige Spiel besitzt viel Potenzial, leidet jedoch im Moment noch unter einigen Schwächen, die verhindern, dass es wirklich glänzt. Es gibt hier und da noch einige Bugs und das Fehlen einer anfänglich vorgegebenen Richtung könnte neue und Gelegenheitsspieler abschrecken, die nicht unzählige Seiten lesen wollen, um zu erfahren, was sie im Spiel tun können und wie.

Wenn man jedoch lang genug dabeibleibt, um die nicht ganz so Neuspieler-freundliche Oberfläche anzukratzen, findet man ein Spiel, dass sowohl im PvE als auch im PvP viel Spaß bieten kann. Unsere größte Sorge liegt darin, dass die Welt-Events begrenzt sind und sich das Spiel mit der Zeit für den Durchschnittsspieler etwas repetitiv anfühlen könnte. Dies kann man aber momentan schwer einschätzen und wir sind sicher, das Red 5 sich in diesem Fall etwas einfallen lassen wird. Wenn ihr also Lust am Schießen, Erkunden und dem Benutzen eines Jet-Packs habt, ist das Spiel auf jeden Fall einen Test wert.