Exklusive Review: Defiance

8.5 Overall Score
Grafiken: 8/10
Gameplay: 9/10
Story: 8/10

besonders großer Spielspaß | viele Dinge, die man tun kann | Interessante Handlung | fähigkeitsbasierter Kampf

kein Bedarf der Spielerinteraktion | einige Animationen könnten besser sein

Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, die PC-Version von Defiance, dem neuen, vor kurzem von Trion Worlds veröffentlichten  Sci-Fi-MMOTPS,  zu testen. Das Spiel zieht eine große Zahl begeisterter Spieler an und auch wir haben Stunden dabei verbracht, die futuristische und komplett andere Version der Erde zu erkunden, die das Spiel bietet. Und wisst ihr was? Es hat uns gefallen.

Aber Defiance ist nicht nur ein Onlinespiel. Es ist Teil eines größeren Projekts, das auch eine neue TV-Serie - momentan läuft die 4. Folge - mit demselben Titel beinhaltet, welche dieselbe Welt, einige Orte und Charaktere mit dem MMO teilt, und ein enormes, einmaliges Sci-Fi-Universum schaffen soll, das sich sowohl mit der Serie als auch dem Spiel weiterentwickelt. Lasst uns gemeinsam unsere Eindrücke vom Spielpart dieses beeindruckenden Projekts durchgehen!

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ERSTER EINDRUCK

Wenn man sich einloggt und sich ins Spiel begibt, setzt einen eine erzählende Sequenz über die Story des Spiels ins Bild. Ohne etwas vorwegzunehmen, wollen wir nur wiedergeben, dass an einem bestimmten Punkt der menschlichen Geschichte Alien versuchen, die Erde zu kolonialisieren. Allerdings läuft dabei nicht alles glatt und nach einem großen Krieg unterzeichnen Menschen und Alienspezies einen Waffenstillstand und beginnen, gemeinsam auf dem halb zerstörten Planeten Erde, der nun voller neuer Pflanzen- und Tierarten ist, zu leben. Nach dieser kurzen Einleitung sieht man kurze animierte und voll synchronisierte Filmszenen, die einen in die Handlung einführen und zur Charaktererstellung bringen. Darin sieht man, wie sich der eigene Charakter mit 2 weiteren Ark Huntern, Nola und Irisa, 2 der Hauptcharaktere der TV-Show, unterhält - ziemlich cool, oder? Zu schade, dass sie nach dieser Szene verschwinden... (Wir haben gelesen, dass sie später in der Story des Spiels wieder auftauchen, konnten jedoch nicht so weit voranschreiten.)

CHARAKTERERSTELLUNG

Die Charaktererstellung entspricht ziemlich dem Standard. Momentan gibt es nur 2 verfügbare Rassen: Menschen und Irathients (ein kommender DLC mit der Rasse der Castithanen wurde angekündigt). Dann kann man die Erscheinung seines Charakters anpassen, indem man aus einer reihe von Köpfen, Gesichtern, Augen, Tattoos, Narben, Nasen, etc. auswählt. Es handelt sich dabei nicht um die detaillierte Charaktererstellung wie bei Aion, dennoch kann man einen recht einzigartigen Avatar erschaffen. Man muss sich auch für einen Hintergrund für seinen Charakter aus folgenden verfügbaren entscheiden: Outlaw, Maschinist, Überlebenskünstler und Veteran.

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GAMEPLAY

Nach einem kurzen, einfachen Tutorial kann man sein Abenteuer beginnen, dem Haupthandlungsstrang folgen, Nebenmissionen und Herausforderungen wie Time Trials annehmen oder einfach nur die Welt erkunden und an den dynamischen Events, die hier und da stattfinden, teilnehmen.

Das Erste, was man feststelt, ist, dass Defiance im Gegensatz zur Mehrheit der TPS-MMORPGs tatsächlich eher ein Shooter mit lediglich einem Schuss "RPG" ist. Die grundlegende Steuerung ist einfach und intuitiv und wenn man schon mal einen TPS gespielt hat, fühlt man sich wie zuhause: WASD + Maus, um sich zu bewegen und zu schießen, Rechtsklick, um zu zoomen und mit größerer Genauigkeit zu zielen, Shift, um zu sprinten, STRG, um zu würfeln, C zum Kriechen und G für die Nutzung seiner Granaten. Einfach und effektiv. Der Kampf ist extrem präzise und rasant; man muss schnell sein und auf die Schwachpunkte der Feinde zielen (bei Menschenähnlichen gewöhnlich der Kopf), um sie schnell zu töten. Wir müssen sagen, dass wir ein Deckungssystem, wie z.B. das bei Ghost Recon Online, sehr geschätzt hätten. Aber natürlich ist niemand perfekt.

Um sich auf der Karte zu bewegen, hat man Zugriff auf coole Gefährte wie Quads, Buggies, gepanzerte Fahrzeuge und mehr und wir müssen zugeben, dass es wirklich genossen haben, mit unserem Quad durch die Spielwelt zu reisen, sie zu erkunden und dabei abseits der Straße verrückte Sprünge auszuführen! Während wir uns zum nächsten wichtigen Punkt der Handlung begaben, haben wir oft angehalten, um einigen NPCs, die angegriffen wurden, zu helfen, einige Hellbug-Nester auszumerzen oder einen verdächtigen Truck zu inspizieren. Diese Momente und das Schießen kann man genießen und dabei die Hauptquest vergessen. Manchmal hatten wir ein Gefühl, dass uns an die Grand Theft Auto-Spiele erinnerte: Man nimmt die nächste Mission an und wir dann total von etwas abgelenkt (im guten Sinn), das gerade in der Welt um einen herum passiert. Unserer Meinung nach, ist dies ein unglaublich positiver Aspekt des Spiels, weil es dadurch gelingt, in eine lebendige, dynamische, virtuelle Welt einzutauchen. Gute Arbeit, Trion!

Was die Missionen angeht, gibt es neben der Missionskette des Haupthandlungsstranges noch die unterschiedlichsten Dinge, die man auf der Karte tun kann: Nebenmissionen, Hotshots, Randale, Notfälle, Wagenrennen gegen die Zeit und eine Vielzahl dynamischer Ereignisse, die zufällig auf der Karte stattfinden. Die Hauptmission, die Nebenmissionen und die dynamischen Ereignisse sind öffentlich, was bedeutet, dass man anderen Spielern, die gerade an derselben Mission/ demselben Event teilnehmen, kooperieren kann, ohne dass man eine Partei bilden muss. Jeder Fortschritt eines Spielers ist für die anderen in dieser Region, die diese Mission spielen, von Bedeutung. Einerseits fördert dies die totale Zusammenarbeit der Spieler, und ist, wie gesagt, ein Faktor, der dafür sogt, dass man sich wie in einer riesigen, lebendigen Welt voller anderer Leute fühlt. Andererseits wird dadurch Kommunikation unnötig: Wir haben z.B. nie ein Wort mit anderen gewechselt, selbst wenn wir bei langen Missionen zusammengearbeitet haben.

Außerdem stehen einem noch die Instanzen, die sogenannten Koop-Missionen, zur Verfügung, die kleine Stories erzählen, während man einen Dungeon voller Monster erkundet, um zu einem End-Boss zu gelangen. Man kann auch an 2 Arten von PvP-Matches teilnehmen. Die erste ist eine normale Team Deathmatch-Arena, die sich von anderen MMOTPS nicht unterscheidet, bei der zweiten handelt es sich um den "Shadow War", einer Schlacht großen Ausmaßes (bis zu 64-geben-64) auf einer riesigen Karte, auf der 2 Teams bestimmte Punkte einnehmen und verteidigen müssen. Beide Modi sind unterhaltsam, uns hat der "Shadow War" aber besonders gefallen, da er einzigartiger ist und man unterschiedliche Taktiken organisieren kann, wenn man in einer guten Gruppe aus Freunden spielt. Durch Siege in den Matches können spezielle PvP-Outfits freigeschaltet werden.

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CHARAKTERPROGRESSION

Wie bereits erwähnt, ist Defiance eher ein Shooter als ein RPG und um dem treu zu bleiben, hat Trion die mutige und exzellente Wahl getroffen, das Spiel extrem fähigkeitsbasiert zu gestalten. Dies bedeutet, dass die zwar vorhandene Progression durch Fähigkeiten und Ausrüstung absolut zweitrangig ist und ein Spieler, der gerade eine Stunde gespielt hat einem Spieler, der bereits einen Monat spielt, beinahe ebenbürtig ist. Kurz gesagt, wenn man gut ist im Zielen, Schießen und Ausweichen, kann man einen Veteranenspieler leicht im PvP schlagen.

Die hauptsächliche Progression findet über das EGO-System statt. Indem Monster getötet und Missionen und Events erfüllt werden, erhält man Erfahrung, welche die EGO-Rate erhöht und EGO-Punkte einbringt. Die EGO-Rate schaltet unterschiedliche Inhalte frei, z.B. Inventar-Slots, Koop-Missionen (Instanzen), Vorteile und mehr, während EGO-Punkte verwendet werden können, um neue Fähigkeiten zu erwerben und Vorteile freizuschalten oder bereits vorhandene zu verbessern.

Um Feinde zu töten, stehen einem eine RIESIGE Auswahl verschiedener Waffen zur Verfügung, die in mehrere Kategorien aufgeteilt sind. Allerdings können Waffen derselben Kategorie und sogar desselben Typs total unterschiedliche Attribute haben und müssen deshalb unterschiedlich genutzt werden (z.B. gibt es dasselbe Sturmgewehr mit Vollautomatikmodus und als 3-Schuss-Halbautomatik, treffsicherer und besser handelbarer Rückstoß). Die Waffen haben unterschiedliche Seltenheitswerte und zufällige Boni. Außerdem hat jede Waffe einen Erfahrungsbalken, der, wenn er voll ist, zusätzliche Boni freischaltet. Bei Fortschritt im Spiel bekommt man jedoch keine mächtigeren Waffen, sondern lediglich andere (zumindest ist der Unterschied selbst mit gutem Bonus nicht sehr groß). Es geht also im Spiel nicht darum, die stärkste Waffe zu finden, sondern diejenige, die am besten zum eigenen Spielstil passt.

Die Rolle der Rüstung wird in diesem Spiel vom Energieschild übernommen. Wie bei den Waffen gibt es verschiedene Arten von Schilden mit unterschiedlicher Seltenheit, Attributen (Abschirmkraft, Regenerationsrate, Regenerationsprozentsatz) und Boni.

In Bezug auf die Erscheinung des Charakters, ist dieser mit Outfits und Kopfbedeckungen veränderbar. Diese können bei bestimmten Verkäufern gekauft, durch das Erfüllen bestimmter Missionen erhalten oder im Cash-Shop erworben werden. Sie sind lediglich kosmetisch.

GRAFIKEN

Das Spiel besitzt helle, nette Grafiken. Die 3D-Modelle der Charaktere sind schön und detailliert und die Waffenmodelle interessant und einzigartig. Auch wenn die Spielwelt nicht so groß ist, ist sie schön und voller Inhalte, gut gestalteter Gebäude und Orte, die man entdecken und erkunden kann, und man kann auch ganz einfach Spaß haben, wenn man durch die Naturlandschaft mit Seen und merkwürdiger Alien-Vegetation fährt. Die Animationen sind realistisch und gut gemacht und meistens unterhaltsam, auch wenn die 3D-Schauspieler manchmal etwas ausdruckslos sind. Allerdings hatten wir manchmal das Gefühl, dass einige Animationen "fehlen". Wenn man z.B. aus großer Höhe fällt, würde man so etwas Ähnliches wie eine "Parkour"-Rolle wie in Warframe erwarten, in Defiance landet der Charakter aber auf den Füßen und steht, was ziemlich doof und unnatürlich ist. Natürlich macht das nicht das ganze Spiel kaputt, aber wäre es wirklich so schlimm gewesen, eine kleine Rollenanimation hinzuzufügen, um alles ein bisschen realistischer zu machen?

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Defiance ist ein ziemlich guter Titel. Die Pluspunkte sind für uns vor alle die beiden: Es macht absoluten Spaß beim Spielen (natürlich wenn man Shooter mag) und es ist fair. Man muss sich um die Charakterprogression keine Sorgen machen oder darum, mit anderen Spielern mitzuhalten, um im PvP wettbewerbsfähig zu sein. Man muss einfach nur das Spielen lernen und kann das Spiel für 10 Minuten oder Stunden genießen. Der Haupthandlungsstrang beinhaltet nette Charaktere und ist interessant, wenn auch manchmal etwas uninspiriert. Die Welt ist jedoch reich an anderen Inhalten und man findet immer etwas, was man tun kann. Es fühlt sich tatsächlich wie ein handlungsgesteuertes Einzelspieler-Abenteuer in einer offenen Welt mit anderen Spielern, Koop-Missioen und PvP an. Und wenn man so etwas mag, ist Defiance beeindruckend. Vielleicht wird es auf die Dauer etwas repetitiv, aber die Entwickler versprechen, regelmäßig DLCs herauszubringen, um die Spieler mit neuen, frischen Inhalten bei der Stange zu halten.